Aktuelles

DGaO-Tagung Bericht

Mo, 10.06.2013

Die Jahrestagung der DGaO 2013 in Braunschweig

Die Jahrestagung der DGaO 2013 hatte mit der Physikalisch-Technischen Bundesanstalt (PTB) ein besonders motivierendes Umfeld. Die PTB als nationales Metrologieinstitut hat gerade ihr 125-jähriges Jubiläum gefeiert und beschäftigt sich seit ihrer Gründung immer auch mit optischen Präzisionsmessverfahren. So wird die zentrale Einheit der Zeit (Sekunde) etwa über Frequenzmessungen mit optisch-spektroskopischen Verfahren mit extremer Genauigkeit bestimmt. Das Freitags-Symposium widmete sich deshalb auch mit 5 Vorträgen den fundamentalen Fragen von Naturkonstanten und der Rückführung von Einheiten auf die Kenntnis solcher Größen.

Das breite wissenschaftliche Programm wurde darüber hinaus aus 6 Hauptvorträgen, 56 Kurzvorträgen und 57 Postern aus allen Gebieten der angewandten Optik gebildet. Ergänzend gab es auch wieder eine begleitende Industrieausstellung. Mit rund 270 Teilnehmern war die Jahrestagung wieder sehr gut  besucht und bot vielfältige Möglichkeiten zum wissenschaftlichen und persönlichen Austausch. Das wechselhafte Wetter bei der „Networking-Veranstaltung“ ließ dann die Teilnehmer sogar besonders eng zusammenrücken.

Erstmals wurden von der DGaO Nachwuchspreise für herausragende Master- und Promotionsarbeiten vergeben. Die Preisträger waren  dieses Mal Falko Diebel von der Universität Münster und Dr. Joachim Fischer vom KIT (Karlsruher Institut für Technologie). Auch zukünftig sollen junge Wissenschaftler für ihre Arbeiten durch solche DGaO-Preise gewürdigt werden. 

In der traditionellen Fraunhofer-Vorlesung nahm Prof. Dr. Karsten Danzmann die Zuhörer mit auf eine spannende Reise in das Universum und machte dabei Einsteins Gravitationswellen sogar akustisch hörbar.

Im Rahmen der Jahrestagung fand auch wieder die jährliche Mitgliederversammlung statt. Dort wurde u.a. über erste Ergebnisse der Auswertung der Mitgliederbefragung berichtet. Im kommenden Jahr soll eine ähnliche Befragung auch bei den korporativen Mitgliedern durchgeführt werden. Für den Vorstand erfolgte die Wahl von zwei Beisitzern, wobei die bisherigen beiden Beisitzer Dr. Dörband und Hr. Thöniß einstimmig in diesem Amt bestätigt wurden.

Insgesamt wurde die Tagung von Dr. Buhr und seinem Team von der PTB sehr engagiert und kompetent organisiert und wird den Teilnehmern sicher in guter Erinnerung bleiben. Die nächste Jahrestagung wird 2014 in Karlsruhe stattfinden.

Hartmut Bartelt

60 Jahre erstes deutsches Patent zu den Gleitsichtgläsern

Mi, 23.01.2013
Rolf Riekher

Am 31.01.1953 wurde von Prof. Ernst Lau, Dr. Georg Jaeckel und Ing. Rolf Riekher vom Institut für Optik und Feinmechanik der Deutschen Akademie der Wissenschaften (IOF der DAW), Berlin-Adlershof, das Deutsche Wirtschaftspatent DWP 11312 „Brillenglas mit gleitender Dioptrienzahl“ im Patentamt der DDR hinterlegt.

Von den damaligen 3 Autoren lebt heute noch Herr Riekher im Alter von 90 Jahren in Berlin, dem diese Würdigung zugeeignet ist.

Zur Vorgeschichte: Schon 1909 und 1910 wurden von Orford (USA) und Poullain und Cornet (Frankreich) asphärische Brillengläser verschiedener Typen vorgeschlagen, die aber mit damaliger Technologie nicht herstellbar waren. Anfang der 50er-Jahre wurde erneut über die Ablösung der Bifokalgläser nachgedacht: In Deutschland war es Prof. Lau, der seine Unzufriedenheit mit seiner Bifokalbrille zum Anlass nahm, seine Mitarbeiter G. Jaeckel und R. Riekher mit der Idee gleitender Dioptrienzahl zu konfrontieren, in Frankreich arbeitete in dieser Zeit M.B. Maitenaz, weil er die gleichen Probleme an der Bifokalbrille seines Vaters beheben wollte.

Die aus den unabhängigen parallelen Arbeiten entstandenen ersten Patente wurden auf deutscher Seite am 31.01.1953 und auf französischer Seite am 25.11.1953 hinterlegt.

1953/1954 schlossen sich weitere Patente aus Adlershof an. Im ersten Halbjahr 1953 hatte Herr Riekher eine Technologie für Kleinserien entwickelt. Schon im zweiten Halbjahr 1953 kam ein größerer Personenkreis zu der Feststellung, dass die Gläser physiologisch gut verträglich sind und Vorteile beim Sehen bieten. Diese erste physiologisch verträgliche Gleitsichtbrille bedeutete die entschiedene Abkehr von der damals verbreiteten Forderung nach punktueller Abbildung. Prof. Lau trug dann zeitlebens eine von Herrn Riekher hergestellte Gleitsichtbrille.

Während die französischen Arbeiten bei ESSILOR stattfanden, hatte die traditionell sehr enge Kooperation zwischen der Adlershofer Optik und dem VEB Carl ZEISS Jena das Angebot der Technologie in Jena zur Folge. Die Entwicklung auf dem Gebiet der Gleitsichtbrille wurde maßgebend von Herrn Riekher vorangetrieben, erst als Laborserie und dann als Großversuch mit beginnender Auslieferung ab 1960. 1969 entschied man in Jena, die Gleitsichtgläser nicht herzustellen, da Brillengläser zu den „einzuschränkenden Erzeugnisgruppen“ (D. Kalder, „Gleitsichtgläser“, WVAO-Verlag, Mainz, 2003) gehörten. Gleichzeitig erwachte um diese Zeit das Interesse anderer deutscher Firmen an den Gleitsichtgläsern mit heutigen kommerziellen Erfolgen.

Rolf Riekher wurde 1922 in Schwerin geboren, ergriff den Beruf eines Augenoptikers und baute ab 1946 eine selbständige Firma zur Herstellung von Brillengläsern auf. Ernst Lau, angesehener Wissenschaftler aus der Physikalisch-Technischen Reichsanstalt, konnte nach 1946 eine Forschungsstelle für Optik zunächst in seinem Privathaus in Berlin-Karow betreiben, die dann in Berlin-Adlershof als schnell wachsendes „Institut für Optik und Feinmechanik der Deutschen Akademie der Wissenschaften“ weiterarbeitete. 1951 konnte Prof. Lau Herrn Rolf Riekher zur Mitarbeit gewinnen. Bis zum Beginn seines Ruhestandes 1987 war Herr Riekher dann wissenschaftlicher Abteilungsleiter im Institut, das 1971 zum Zentralinstitut für Optik und Spektroskopie erweitert wurde und das zu wesentlichen Projekten der DDR auf den Gebieten Optik, Lasertechnik und Spektroskopie entscheidende Beiträge leistete. Alle optisch-technologischen Fragen wichtiger Projekte, insbesondere zu den Themenkomplexen Asphären und Sondermaterialien, liefen über Herrn Riekher.

Neben diesen technologischen Entwicklungen galt sein Interesse der Geschichte der Fernrohre. Sein Buch „Fernrohre und ihre Meister“, erschienen 1957 in 1. und 1990 in 2. Auflage, wird von Instrumentensammlern, aber auch von vielen optisch Interessierten hoch geschätzt. Beispielsweise erhielt Herr Riekher die Lipperhey-Medaille in Middelburg, der Stadt der Erfindung des Holländischen Fernrohrs. Zum vielverbreiteten „ABC der Optik“ trug er wesentliche Teile bei.

Seit seinem Ruhestand beschäftigt er sich intensiv mit dem Schaffen von J. von Fraunhofer, insbesondere als Glasschmelzer, und hat inzwischen die ausführlichste Dokumentation dazu erarbeitet. Mit 86 Jahren hat er noch die Schriften zur Optik von Johannes Kepler in „Ostwalds Klassikern der exakten Wissenschaft, Band 198“ editiert und durch eine ausführliche Optik-Geschichte der Kepler-Zeit ergänzt.

Bedeutende staatliche Auszeichnungen wurden ihm vor und nach der Wende verliehen, nicht zuletzt auch die Ehrenmitgliedschaft der DGaO.

Diese Erinnerung an das entscheidende Patent vor 60 Jahren ist verbunden mit dem Dank an Herrn Riekher für seine zielstrebige Arbeit an einer segensreichen Erfindung und mit den besten Wünschen für sein persönliches Wohlergehen.

Es ist zu sehen: Die Unzufriedenheit zweier älterer Herren mit der Zweistärkenbrille konnte eine ganze Technologieentwicklung in Bewegung setzen.

Reiner Güther, FBH, Berlin-Adlershof

Ehrungen von DGaO-Mitgliedern durch die European Optical Society (EOS)

Mi, 19.12.2012

Die DGaO-Mitglieder Prof. Dr.-Ing. Gerd Häusler und Prof. Gert von Bally wurden für ihre wissenschaftlichen Verdienste durch die European Optical Society (ESO) 2012 mit der Ernennung zum „Fellow“ gewürdigt. Prof. G. Häusler hat sich große Verdienste auf dem Gebiet der optischen 3D-Messtechnik und in der DGaO durch die Organisation des Freitagssymposiums bei der Jahrestagung erworben. Prof. G. von Bally hat sich durch seine Arbeiten in der Medizinischen Optik und durch seine intensive Wirkung für den Arbeitskreis Biophotonik besonders ausgezeichnet.

Das DGaO-Vorstandsmitglied Prof. Dr. sc. tech. (EPFL) Michael Maximilian Pfeffer wurde in 2012 zum „Secretary of the Board“ in der EOS berufen.

Das langjährige DGaO-Mitglied Prof. Dr. Gerd Leuchs vom Max-Planck-Institut für die Physik des Lichts in Erlangen wurde zum 3. Editor für das EOS Online-Journal JEOS auf dem wichtigen Forschungsgebiet der „Quantum Optics“ ernannt.

Die DGaO gratuliert seinen Mitgliedern herzlich zu diesen Ehrungen!

DGaO-Mitglied Prof. Leuchs mit Bundesverdienstkreuz geehrt

Fr, 29.06.2012
Prof. Leuchs (rechts) erhält das Bundesverdienstkreuz 1. Klasse von Dr. Wolfang Heubisch (links), bayerischer Staatsminister für Wissenschaft, Forschung kund Kunst.

Prof. Leuchs, Inhaber des Lehrstuhls für Optik und Leiter des Instituts für Optik, Information und Photonik an der Universität Erlangen sowie Direktor am Max-Planck-Institut für die Physik des Lichts (MPL) in Erlangen, erhielt am 16. Mai 2012 das Bundesverdienstkreuz 1. Klasse für seine herausragenden Forschungsbeiträge in der Optik sowie seine Verdienste bei der Gründung des ersten Max-Planck-Instituts in Nordbayern. Er ist Autor von knapp 300 Publikationen in wissenschaftlichen Journalen und Herausgeber von 3 Büchern. Seine Arbeitsgebiete umfassen die Grundlagenforschung von der klassischen Optik bis zur Quantenoptik. Die Auszeichnung wurde von Dr. Wolfgang Heubisch, Bayerischer Staatsminister für Wissenschaft, Forschung und Kunst, überreicht. Die DGaO gratuliert seinem Mitglied Prof. Leuchs sehr herzlich zu dieser hohen Auszeichnung.

Hartmut Bartelt

Prof. H. Tiziani erhält SPIE-Preis zur Optischen Messtechnik

Di, 19.06.2012
Prof. H. Tiziani

Das DGaO-Mitglied Prof. H. Tiziani ist mit dem “Chandra S. Vikram”-Preis 2012 der SPIE für seine besonderen Verdienste auf dem Gebiet der optischen Messtechnik und der optischen Testverfahren ausgezeichnet worden. Damit wurden seine wegweisenden Beiträge zur hochpräzisen 3D-Messtechnik, zur Deformations- und Vibrationsanalyse in der digitalen Holographie und zur Speckle-Interferometrie gewürdigt. Die DGaO gratuliert seinem Ehrenmitglied und dem langjährigen Leiter des Instituts für Technische Optik der Universität Stuttgart sehr herzlich zu diesem Preis.

Hartmut Bartelt

Eindrücke von der Jahrestagung 2012 in Eindhoven

Mi, 13.06.2012

Mit der Jahrestagung 2012 folgte die DGaO der Einladung des Photonic Clusters Netherlands (PCN) zu einer gemeinsamen Konferenz nach Eindhoven. Damit wurde sehr passend nicht nur eine Universitätsstadt, sondern auch die niederländische „Stadt des Lichts“ gewählt, die kürzlich als „Smartest City in the World“ ausgezeichnet wurde. Der ausgedehnte und moderne Campus der Technischen Universität Eindhoven bot in seinem Auditoriumsgebäude hervorragende räumliche und technische Möglichkeiten zur Durchführung der Tagung und der Industrieausstellung. Die Schwerpunktthemen optische Lithographie, Beleuchtungsoptik und optische Messtechnik waren dann auch mit Bezug auf die optisch-orientierte Struktur der Stadt Eindhoven gewählt.

Die Organisation der Tagung erfolgte in hervorragender Weise über Dr. Bäumer und Prof. Kroesen. Das Programm umfasste 7 Hauptvorträge, 75 Einzelvorträge, 49 Poster und 6 Symposiumsvorträge zur Thematik „Optik in der Natur“. Die Tagung wurde ergänzt durch eine Industrieausstellung mit 31 Ausstellern. Die Fraunhofer-Lecture wurde von Dr. Jens Benschop von der Firma ASML zum Thema „Optical Lithography“ gehalten und stellte damit die Entwicklung einer der wichtigsten Basistechnologien zur Miniaturisierung in unserer modernen Informationsgesellschaft vor.

Der traditionelle Ausflug (in die historische Stadt s´Hertogenbosch) bot wieder vielfältige Möglichkeiten zu weiteren Gesprächen und zum informellen Austausch der Teilnehmer.

Im Rahmen der Mitgliederversammlung standen Wahlen für mehrere Mitglieder des Vorstands an. Prof. Pfeffer stellte sich nicht zur Wiederwahl als Vorsitzender, bleibt aber weiter Mitglied im Vorstand als Stellvertreter. In neue Ämter wurden gewählt Dr. Hoeller (Vorsitzender) und Hr. Jacobsen (Schatzmeister). In ihren Ämtern bestätigt wurden Prof. Bartelt (Schriftführer), Fr. Prof. Denz (EOS-Vertreterin), Hr. Faber und Dr. Bäumer als Beisitzer. Außerdem wurde Dr. Buhr als Tagungsgeschäftsführer der nächstjährigen Tagung an der PTB in Braunschweig in den Vorstand aufgenommen. Der Vorstand sprach dem aus dem Vorstand ausscheidenden Dr. Schuhmann herzlichen Dank für die langjährige Tätigkeit und sein großes Engagement bei der Führung der DGaO aus.

Autorenpaket 2012:
Das Autorenpaket für die 113. Tagung in Eindhoven finden Sie unter DGaO proceedings.

Hartmut Bartelt

Nominierungen für EOS-Vorstand und Fellowship

So, 18.03.2012

Jedes persönliche DGaO-Mitglied ist automatisch auch EOS-Mitglied und damit aufgerufen, sich an den Nominierungen für die Mitglieder des EOS-Vorstands und die EOS-Fellows zu beteiligen.

Folgende Nominierungen stehen an:

Fellowship Nominierung bis zum 16. April 2012:
Jedes EOS-Mitglied, d.h. jedes persönliche DGaO-Mitglied hat die Möglichkeit, EOS Fellows vorzuschlagen.
Mehr Information unter:
www.myeos.org/members/fellows

EOS Board elections bis zum 31. März 2012:
Auch hier ist jedes persönliche DGaO-Mitglied aufgerufen, Kandidaten für den Vorstand zu nominieren. 5 Direktoren des Boards müssen in diesem Jahr neu gewählt werden.
Weitere Informationen unter:
www.myeos.org/boardelections2012

Aufruf zur Gründung von Studentenclubs:
Die EOS unterstützt die Gründung von Studentenclubs. Profitieren Sie vom EOS Student Program durch Gründung eines Clubs!
Weitere Informationen unter:
www.myeos.org/studentclubs

Ausbildung zum Staatl. Geprüften Glastechniker-Schwerpunkt Optik mit fachgebundener oder allgemeiner Fachhochschulreife an der Glasfachschule Zwiesel

Sa, 10.03.2012

Das Staatliche Berufsbildungszentrum für Glas und Optik bildet neben den Feinoptikern und Verfahrensmechanikern für Brillenoptik auch Optik-Techniker aus.

Die bundesweit einmalige Weiterbildung zum Techniker mit dem Schwerpunkt Optik erfolgt praxisnah und vertieft bereits vorhandenes Wissen und Können aus der dualen Ausbildung. Im ersten Ausbildungsjahr wird ein tragfähiges mathematisch-naturwissenschaftliches Fundament erarbeitet, auf das die fachspezifischen und fachübergreifenden Lernfelder des zweiten Jahres aufbauen.

Die Bewältigung komplexer Handlungen hat Vorrang vor der reinen Faktenvermittlung. Zusammenhänge und Wechselwirkungen von Produktions- und Prozessabläufen werden sichtbar, verständlich und optimierbar.

Staatlich geprüfte Techniker für Optik entwickeln, berechnen, konstruieren und fertigen optische Systeme. Darüber hinaus übernehmen sie Fach- und Führungsaufgaben bei der Entwicklung und Produktion aber auch im Qualitätsmanagement sowie in der Personal- und Arbeitsorganisation.

Fachspezifische Schwerpunkte: 

  • Arbeitsvorbereitung
  • Technische Optik
  • Fertigungstechnik
  • CNC-Fertigung optischer Bauteile
  • Elektro- und Automatisierungstechnik
  • Messtechnik Konstruktion optischer Systeme
  • Beschichtungstechnik
  • Optoelektronische Bauelemente
  • Qualitätsmanagement 

Eingangsvoraussetzungen: 
Abgeschlossene Berufsausbildung, einjährige Praxis im Berufsfeld Optik oder siebenjährige einschlägige Berufserfahrung.

Weitere Informationen unter: www.glasfachschule-zwiesel.de

Grußwort des DGaO-Vorsitzenden zum Jahreswechsel 2011/2012

Mi, 28.12.2011
Prof. Michael Pfeffer, Vorstandsvorsitzender

Liebe Mitglieder und Freunde der Deutschen Gesellschaft für angewandte Optik,

Im Rahmen unserer kommenden Jahrestagung 2012 im niederländischen Eindhoven werden wir den Vorstandsvorsitz neu wählen, da meine Amtszeit nach zwei Wahlperioden à zwei Jahre dann endet. Es ist in unserer Gesellschaft gute Tradition – und ich denke darin liegt eine der Stärken der DGaO – den Vorstandsvorsitz wechselnd mit Persönlichkeiten aus dem industriellen und dem akademischen Umfeld zu besetzen. Damit bleibt der Charakter der DGaO als Gesellschaft für angewandte Optik gewahrt.

Gerade um diesen angewandten, nicht ausschließlich akademischen Charakter beneidet uns manche optische Gesellschaft in Europa. Und dies zu recht: Schließlich gewinnt die Hochschulwelt ebenso durch Anregungen und Kontakte aus der „echten“ Welt, wie auch die marktgetriebene Optikindustrie von neuen Ideen und Forschungsergebnissen aus Hochschullaboren profitiert. Dazu kommt dann noch eine in Deutschland vergleichsweise „optikfreundliche“ Förderpolitik des Bundes und vieler Länder.

In jüngster Zeit bereitet mir jedoch ein zunehmend merkwürdiges akademisches Verständnis gewisse Sorge: Jegliches Abweichen vom gesellschaftlichen, aber auch akademischen Mainstream wird drastisch sanktioniert. Dadurch werden einerseits originelle, unkonventionelle Ansätze unterdrückt und anderseits stromlinienförmig angepasste Forscher erzeugt. Unter ‚akademischer Freiheit‘ sollten wir wie Albert Einstein „das Recht verstehen, nach der Wahrheit zu suchen und das für wahr gehaltene zu publizieren und zu lehren“.

Neben diesem Trend beobachte ich auch unter unseren ‚Optikern‘ oft einen gewissen Regionalismus. Im Hinblick auf Deutschland als Exportnation scheint es mir sehr wichtig, dass Nachwuchswissenschaftler, Studierende, Facharbeiter und Auszubildende ihren Blick nicht nur deutschlandweit sondern zumindest europa- wenn nicht sogar weltweit richten. Das beginnt häufig bereits bei der Sprache: Englisch hat sich auch in der angewandten Optik zur Technik- und Wissenschaftssprache schlechthin entwickelt. Unsere Studierenden, Kolleginnen und Kollegen sind jedoch häufig noch nicht richtig auf diese sprachliche Herausforderung vorbereitet; man merkt das beispielsweise an Rückfragen nach deutschen Übersetzungen. Ohne die Bemühungen um deutsch als Wissenschaftssprache schmälern zu wollen plädiere ich doch für eine durchgehende Entwicklung der Kompetenz zum wissenschaftlichen und fachlichen Diskurs in englischer Sprache.
Auch die Bereitschaft für eine gewisse Zeit berufspraktische oder universitäre Erfahrungen im Ausland zu sammeln, ist unter unseren jungen ‚Optikern‘ noch nicht allzu verbreitet.
​Wie viele unserer Mitglieder bin ich auch gerne persönlich bereit, jungen Menschen, die am Anfang Ihrer Karriere in der angewandten Optik stehen, Kontakte zu ausländischen Fachkolleginnen und -kollegen in Industrie oder Hochschule zu vermitteln. Hier denke ich Optik-spezifisch insbesondere an das ostasiatische Ausland.

Erlauben Sie mir nun noch einen Blick auf fast vier Jahre DGaO-Vorstandsvorsitz: Als Nachfolger von Dr. Rainer Schuhmann brachten Sie mir Ihr Vertrauen erstmals 2008 auf der 109. Jahrestagung in Esslingen entgegen und bestätigten mich auf der Wetzlarer Jahrestagung erneut für zwei Jahre im Amt des Vorstandsvorsitzenden. Dafür möchte ich mich bei Ihnen allen, sehr geehrte Mitglieder der DGaO, ganz herzlich bedanken.

Geprägt waren diese fast vier Jahre einerseits von den Tagungen in Brescia, Wetzlar und Ilmenau und anderseits vom Wechsel in der Vorstandschaft. Äußerst verdiente und von mir persönlich überaus geschätzte Persönlichkeiten wie Prof. Richard Kowarschik, Dr. Christel Budzinski, Dr. Wolfgang Vollrath, Prof. Gerd Häusler und Prof. Gert von Bally schieden in dieser Zeit aus dem Vorstand aus. Für die immer sehr wohlwollende Unterstützung in den ersten Jahren meiner Amtszeit möchte ich mich insbesondere bei ihnen ganz herzlich bedanken.

Mein größter Dank gilt jedoch den Geschäftsführern und den Teams der Jahrestagungen während meiner Amtszeit: Prof. Franco Doccio, Prof. Thomas Sure und Prof. Stefan Sinzinger. Auch wenn man keine Vorschusslorbeeren verteilen sollte, möchte ich schon an dieser Stelle Dr. Stefan Bäumer und seinem Helfern meinen Dank aussprechen. Wir hatten im September Gelegenheit, den äußerst attraktiven Tagungsort an der TU Eindhoven zu besichtigen und uns vom räumlichen und inhaltlichen Konzept der 113. Jahrestagung überzeugen zu lassen. Ich freue mich schon heute darauf, Sie im Mai 2012 dort begrüßen zu dürfen.

Ich wünsche Ihnen allen – den Mitgliedern der DGaO, meinen Kollegen und allen Lesern der Photonik – eine schöne und geruhsame Weihnachtszeit sowie ein gesundes und erfolgreiches Jahr 2012.

Ihr Prof. Michael Pfeffer, Vorstandsvorsitzender

Dr. Angela Duparré zum EOS-Fellow ernannt

Fr, 16.12.2011
Dr. Angela Duparré

Das Fellow-Komitee der Europäischen Optischen Gesellschaft (EOS) gab im Rahmen der jüngsten Mitgliederversammlung im September auf Capri die diesjährigen Fellows bekannt.

Neben F. de Fornel, D. Dolfi, C. Domingo, G. E. Jabbour, I. B. Kovsh, S. Mar, J.-P. Pocholle, E. Rosencher und V. Vasilyev wurde auch Angela Duparré mit dem Fellowship 2011 der EOS geehrt.

Sie erhielt diese Auszeichnung in Würdigung ihrer Beiträge zur Charakterisierung und Modellierung funktionaler Eigenschaften optischer Oberflächen, Beschichtungen, Materialien und Baugruppen insbesondere in Bezug auf Streulicht, Mikro- und Nanostrukturen und Rauheit sowie der Entwicklung der dazu gehörigen Mess- und Analyseverfahren.

Durch ihre Arbeiten zur Oberflächenrauheitsmessung mit Streulichtverfahren (von EUV bis IR) trug sie wesentlich zum Fortschritt der wissenschaftlichen Forschung bei. Über die Zusammenarbeit mit Instituten und Firmen im In- und Ausland flossen ihre Ergebnisse insbesondere in die Entwicklung von Verfahren zur Streulichtmessung und Qualitätsbeurteilung optischer Elemente ein.

Neben der Betreuung zahlreichen Diplom- und Doktorarbeiten im Bereich der physikalischen und technischen Optik bot sie mehreren Post-Docs aus verschiedensten Ländern die Gelegenheit, in ihrem Labor zu forschen.

Sie veröffentlichte über 150 Fachartikel, war Gast-Editor des OSA-Journals “Applied Optics” zum Thema Optische Dünnschichten und war 2005, 2008 und 2011 Sitzungsleiterin einer internationalen Konferenzreihe über Optische Fertigungs-, Prüf- und Messtechnik. Unter anderem organisierte sie dabei den Transmissions- und Reflexionsmessungs-Wettbewerb “Measurement Problem”. Darüber hinaus diente sie auch in verschiedenen Normungsgremien auf nationaler und internationaler Ebene als anerkannte Fachfrau.

Die 1951 geborene Tochter eines Chemikers studierte Physik an der physikalisch-astronomischen Fakultät der Universität Jena (FSU). 1985 promovierte sie dort mit einer Arbeit über die optischen Eigenschaften von Spiegeln für Hochleistungslaseranwendungen. In den Jahren 1985 bis 1992 forschte sie in verschiedenen Projekten an optische Dünnfilmkomponenten und lehrte an der FSU. Während dieser Zeit war sie auch Gastwissenschaftlerin am physikalischen Institut Lebedev in Moskau und initiierte damals bereits ein Forschungsprojekt zu Hochleistungslaserkomponenten.

Erst nach der Wiedervereinigung war es ihr dann möglich, eine Einladung als Gastwissenschaftlerin an die University of Central Florida in Orlando (USA) anzunehmen. Unmittelbar nach ihrer Rückkehr 1992 baute sie im gerade gegründeten Fraunhofer Institut für Optik und Feinmechanik (IOF) in Jena eine Arbeitsgruppe zur Oberflächencharakterisierung auf, an dem sie bis heute arbeitet.

Angela Duparré darf sich einreihen in einen erlauchten Kreis von DGaO-Mitgliedern wie Adolf Lohmann, Hans Tiziani, Réné Dändliker, Klaus Biedermann, Gerd Leuchs und Cornelia Denz, die mit dem EOS-Fellowship ausgezeichnet wurden. Als DGaO-Vorstandsvorsitzender freue ich mich mit ihr und gratuliere zu dieser hervorragenden Auszeichnung.

Prof. Michael Pfeffer

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